Richard von Alsenbrunn,

einer der berühmtesten Sänger seiner Zeit, hat die weite Reise ins 21. Jahrhundert angetreten, denn er soll ein Lied über die beiden Autoren Sabine Klewe und Martin Conrath verfassen.

Alsenbrunn:
Die Reise war beschwerlich und ich habe noch den langen Rückweg vor mir. Deshalb will ich ohne Umschweife zur Sache kommen: Warum schreibt Ihr historische Romane? Wie seid Ihr dazu gekommen?
Sabine:
Ich liebe Geschichten, weil ich beim Lesen in andere Welten eintauchen und fremde Leben leben kann. Die Vergangenheit finde ich besonders spannend, weil sie ja unsere Wurzeln bildet, weil die Geschichte sozusagen in uns weiterlebt. An dieser Geschichte ein bisschen mitzuschreiben, macht einfach riesengroßen Spaß.
Martin:
Nachdem ich viele Kriminalromane geschrieben hatte, wollte ich etwas Neues ausprobieren. Als Jugendlicher hatte ich alle historischen Romane gelesen, die mir in die Finger kamen. Was lag da näher, als endlich mal selber einen zu schreiben?
Mich faszinieren die vergangenen Zeiten, weil sie mich in Welten entführen, die mir geheimnisvoll und fremd sind und  gleichzeitig unserer doch so ähnlich, denn damals wie heute lebten Menschen. Und die Menschen machen die Geschichten.
Alsenbrunn:
Ihr schreibt zu zweit. Wie darf man sich das vorstellen?
Martin:
Wir entwickeln gemeinsam die Figuren und die Geschichte, dann schreibe ich ein paar Kapitel.
Sabine:
Danach gehe ich über den Text und gebe meinen Senf dazu.  
Martin:
Dann bin ich wieder dran …
Sabine:
… und so weiter. Das geht so lange, bis wir beide mit dem Ergebnis zufrieden sind.
Alsenbrunn:
Wo nehmt Ihr Eure Ideen her?
Sabine:
Aus dem Leben. Aus dem, was ich aufschnappe, höre, lese … Die Welt ist voller Geschichten. Eigentlich muss man sie nur aufschreiben.
Martin:
Mir geht es ähnlich. Ich schöpfe vor allem aus dem reichen Fundus menschlicher Gefühle, Leidenschaften und Biographien, und natürlich aus meiner Lebenserfahrung und meiner Fantasie. Zum anderen aber auch aus Sachbüchern über Geschichte, Psychologie, Waffenkunde, Burgenbau ... Manchmal inspiriert mich ein Zeitungsartikel oder etwas, das mir ein Freund erzählt.
Alsenbrunn:
Was fasziniert Euch so am Beruf des Henkers?
Sabine:
Ich finde vor allem das Zwiespältige am Henker spannend. Dass er zugleich Tod und Leben bringen konnte, als Scharfrichter und Heiler. Und dass die Menschen ihn zugleich fürchteten und bewunderten.
Martin:
Der Henker ist eine tragische Figur. Er gehörte zu den »unreinen« Berufen, wurde oft verachtet, stand ganz unten in der Hierarchie und war doch ein mächtiger Mann, auf den niemand verzichten konnte. Denn im 14. Jahrhundert gab es kein Urteil ohne Geständnis, das der Angeklagte vor Gericht zu wiederholen hatte.  Der Henker musste das Geständnis durch Folter herausbringen und zugleich dafür sorgen, dass der Beschuldigte beim Prozess noch in der Lage war auszusagen. Viele Mythen ranken sich um seinen Beruf, die meine Fantasie zum Blühen bringen. 
Alsenbrunn:
Würdet Ihr gern im 14. Jahrhundert leben?
Martin:
Ganz ehrlich? Nein. Ich muss nur an die medizinische Versorgung denken … Zähne ziehen ohne Betäubung!
Sabine:
Ich auch nicht. Wenn man nicht gerade zu den wenigen wohlhabenden Personen gehörte, war das Leben sehr hart und entbehrungsreich. Und kurz. Außerdem war man der Willkür der Herrschenden hilflos ausgeliefert.
Alsenbrunn:
Mal angenommen, Ihr könntet eine Reise ins Mittelalter antreten. Was würdet Ihr mitnehmen?
Sabine:
Hm. Einen Stapel mit meinen Lieblingsbüchern – obwohl ich vermutlich nicht zum Lesen käme. Und eine Kamera, um meine Erlebnisse festzuhalten.
Martin:
Eine riesige Reiseapotheke.
Alsenbrunn:
Mit welcher Eurer Figuren würdet Ihr gern einmal bei einem Krug Wein plaudern?
Martin:
Mit Ottmar de Bruce. Seine Seele ist schwarz wie die Nacht und daher für einen Schriftsteller sehr interessant. Außerdem gibt es da ein paar Geheimnisse, die er noch nicht verraten hat.
Sabine:
Mit Eberhard von Säckingen. Ich glaube, dass er tief in seinem Inneren ein anständiger Kerl ist, und ich würde gern versuchen, diesen anständigen Kerl aus der Reserve zu locken.
Alsenbrunn:
Obwohl ich Melisande im Roman bedauerlicherweise nicht persönlich kennengelernt habe, ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Werde ich mehr von ihr hören?
Sabine:
Da gibt es nur eins: Ihr müsst zurückreisen ins 14. Jahrhundert. Es könnte sein, dass Ihr Melisande diesmal sogar begegnet …
Alsenbrunn:
Das ist ein Wort. Ich begebe mich unverzüglich auf die Reise. Gehabt Euch wohl und habt Dank für die Gastfreundschaft. Vielleicht kann ich mich ja bei Gelegenheit erkenntlich zeigen. Es wäre mir eine Ehre. Ihr seid jederzeit willkommen in meiner Zeit.

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